Mit meinem Projekt "Die Wiese" möchte ich ein kleines Stück alter Kulturlandschaft wiederbeleben.

Der bisherige Garten mit Wohnhaus und Scheune befindet sich innerhalb der rot markierten Fläche.

Seit dem 01.01.2019 habe ich die gelb markierte Wiese meines Bruders dazugepachtet. Der bisherige Garten hat ohne Gebäude eine Grösse von etwa  ¾ ha. Die Wiese ist etwa 1 ½ ha gross. Somit hat sich die Grundstücksfläche auf etwa 2 ¼ ha vergrössert.

Zukünftig wird die Wiese nur noch zwei Mal im Jahr gemäht. Die erste Mahd erfolgt Ende Juni, Anfang Juli, die zweite Ende August, Anfang September. Auf diese Weise wurden Wiesen über Jahrhunderte hinweg gemäht. So konnten sich artenreiche Magerwiesen entwickeln, die es heute so gut wie nicht mehr gibt.

Gemäht wird die Wiese mit einem Balkenmäher. Ein Balkenmäher ist leicht und verdichtet den Boden nicht so stark. Ausserdem ist das Mähen mit einem Messerbalken wesentlich ökologischer als mit einem Kreisel-oder Trommelmäher.

 

Welchen immensen Schaden moderne Mähwerke in einer Wiese anrichten, entnehmen Sie bitte dem angefügten PDF.

 

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Im Abstand von einigen Jahren werden mehrere dreireihige Hecken entstehen mit einem etwa 4m breiten Krautsaum, der nur alle zwei bis drei Jahre gemäht wird. Der Saum, der die Hecken umgibt, ist ebenso wichtig wie die Hecke selbst. Er bietet vielen Tieren Schutz, Nahrung und Lebensraum. Zwischen den Wildhecken möchte ich noch einige Saalweiden pflanzen. Sie dienen den Bienen im zeitigen Frühjahr als dringend benötigte Pollenspender. In die Wiese wird der Klappertopf eingesät. Der Klappertopf ist ein Halbschmarotzer. Er ernährt sich von bestimmten Gräsern, die dann über mehrere Jahre verkümmern und schliesslich ganz verschwinden. Somit wird die Wiese durch den Einsatz des Klappertopfs auf natürliche Art ausgemagert.

Auf dem gesamten Wiesenstück werden noch etwa 20 hochstämmige Obstbäume gepflanzt. Gepflanzt werden neben Apfelbäumen auch Birnen, Zwetschgen und Kirschbäume, überwiegend alte Sorten.

Im Übergangsbereich zwischen dem bestehenden Garten und der Wiese habe ich bereits zwei etwa 3 m breite Streifen angelegt. Auf dem einen kürzeren Streifen wurde der Schmetterlings-und Wildbienensaum von Rieger Hoffmann eingesät, auf dem anderen, längeren Streifen, die Mischung Artenreiche Mähwiesen der Firma Wiesendrusch Oberrheingraben. Ich hoffe, dass sich die Pflanzen von den Streifen aus in die doch recht artenarme Wiese ausbreiten.

Des Weiteren werden noch Ast- und Steinhaufen auf der Wiese platziert, als Versteck und Lebensraum für Kleinsäugetiere, Reptilien und Insekten. Ebenfalls werden noch einige Altgrasstreifen entstehen. Mit ihnen lässt sich die Artenvielfalt nochmals steigern.

 

Um mehr über die Wichtigkeit von Altgrasstreifen zu erfahren, klicken Sie bitte auf das PDF.

 

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Die ganzen Massnahmen möchte ich innerhalb von 5 Jahren umsetzen. Durch die Vergrösserung des Gartens um das Dreifache, kann ich auch Arten unterstützen, die einen grösseren Lebensraum mit verschiedenen Strukturen beanspruchen.

Hecken

Die ersten beiden Wildhecken sind angelegt. Die erste hat eine Länge von 40m. Die zweite ist etwa 20m lang. Gepflanzt habe ich acht verschiedene Straucharten: Gemeine Heckenrose, Gemeiner Liguster, Eingriffliger Weissdorn, Schlehe, Kartoffelrose, Kreuzdorn, Wolliger Schneeball und die Purpurweide.

Die Pflanzen werden immer in einzelnen Gruppen gepflanzt, im Abstand von etwa 1m. Halbschatten- oder schattenverträgliche Pflanzen kommen auf die Nordseite, alle andern dementsprechend nach Süden.

Hecken sind sehr wichtige Biotope, die in unserer alten Kulturlandschaft weit verbreitet waren. Im Zuge der Flurbereinigung sowie auch durch Nutzungsänderungen verschwanden die Hecken. Die noch übriggebliebenen Hecken werden sehr oft nicht mehr gepflegt und überaltern. Nur eine regelmässig geschnittene Hecke weist ein Maximum an Biodiversität auf.

Eine Hecke ist ein wahrer Hotspot des Lebens. Bis zu 1000 verschiedene Pflanzenarten und etwa 4000 verschiedene Tierarten können in einer Hecke mit intaktem Krautsaum vorkommen, besonders wenn sie alt ist und regelmässig gepflegt wird. Jeder fünfte Vogel wurde schon in einer Hecke beobachtet. Das zeigt, wie wichtig der Lebensraum Hecke für viele Tier- und Pflanzenarten ist. Noch wertvoller wird der Lebensraum Hecke, wenn am Rand oder zwischen den einzelnen Hecken noch Lesestein- und Asthaufen angelegt werden. Genauso wichtig ist, wie bereits oben erwähnt, ein bis zu 4m breiter Krautsaum, der nur alle zwei bis drei Jahre gemäht wird.

 

Die Zeichnung stammt aus dem Buch von Helmut und Margit Hintermeier, Hecken & Feldgehölze. Sie zeigt deutlich den Strukturverlust in der Landschaft, hervorgerufen durch die Flurbereinigung. Für viele Tiere ist eine reich strukturierte Landschaft mit vielen mosaikartigen Lebensräumen überlebenswichtig. Zwischen den einzelnen Parzellen standen häufig Hecken als Einfriedung oder als natürlicher Zaun. Deshalb wird im alemannischen die Hecke auch als "Hag" bezeichnet.

Gepflanzt habe ich wurzelnackte Pflanzen. Sie sind günstiger als Containerpflanzen und wachsen besser an. Es handelt sich dabei um gebietsheimische Pflanzen.

Obstbäume

Die ersten 8 Obstbäume haben ihren Weg in den Boden gefunden.

Die kleine neue Streuobstwiese besteht aus 2 Birnbäumen (Bayrische Weinbirne, Alexander Lukas). 2 Apfelbäumen (Blumberger Langstiel, Roter Berlepsch). 2 Kirschbäumen (Kordia, Unterländer) und aus 2 Zwetschgenbäumen (Schöneberger Zwetschge, Italienische Zwetschge). Gepflanzt habe ich ausschliesslich Hochstammbäume.

Wie wichtig Streuobstwiesen für die Artenvielfalt sind, entnehmen Sie bitte dem Kapitel "Streuobstwiesen" auf meiner Homepage.

 

Zwei der "Drei Musketiere" im Hecken-und Obstbaumpflanzeinsatz.


Hecken entlang des Rheinauer Naturlehrpfades


Die einzelnen Stationen sind gut beschildert wie die drei Beispiele zeigen.